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Slam in Bad Iburg

Juli 2004: Der Mariachi von Bad Iburg



Ja, richtig: Bad Iburg liegt kurz vor Osnabrück. Nach der freundlichen Einladung durch Michael Sauer, der sich selbst "Der Sauer" nennt, machte ich mich also am 7. Juli alleine auf den Weg dahin. Vorsichtshalber alle meine Texte im Gepäck, fand ich das Casablance sehr schnell am Ortsausgang von Bad Iburg. Eine normale Kneipe, mit normaler Musik und normalen Leuten. Also alles sehr entspannt. Beinahe.

Denn noch bevor ich saß, hatte ich schon Marlene an den Hacken. Marlene, das muss man wissen, ist vermutlich Mitte 60 und kommt aus Norddeutschland. Ich hatte meinen Rucksack noch nicht ganz abgesetzt, da hatte sie mich schon dazu genötigt, mir zu merken, auf welcher Seite im Internet man alle Informationen über alle landesweiten Slams, an denen sie fast ausnahmslos teilgenommen hatte, finden konnte, was ich aber sofort wieder vergaß. Ich erfuhr jedoch auch noch, dass sie eigentlich zur Bremer Truppe gehörte und für die beim National Slam 2003 in Darmstadt den 4. Platz in der Gesamtwertung geholt hatte. Außerdem wollte sie an diesem Abend lieber außerhalb der Wertung lesen, weil sie meinte, ja doch immer zu gewinnen. Marlene war die reinste Redemaschine und nur das beherzte Eingreifen eines Slamkollegen konnte sie stoppen. Und da war ich erst zwei Minuten da.

Erstaunt war ich auch von einem weiteren Teilnehmer: Johannes, in einem ähnlichen Alter wie Marlene, schleppte einen Gitarrenkoffer hinein. Und mein anfänglicher Verdacht, er käme vielleicht vom Musikunterricht, stellte sich als falsch heraus. Tatsächlich holte er nämlich später, als er ans Mikrofon trat, sein Instrument heraus und begleitete sich selbst musikalisch. Eigentlich ein krasser Regelverstoss, der aber ohne Konsequenzen blieb. Doch eins nach dem anderen.
Zu meiner Überraschung erschien dann noch der Göhre, der ebenfalls seiner Einladung gefolgt war. Einige Zeit später ging es schließlich los: Die Regeln in Bad Iburg folgen dem mir bis dahin unbekannten "Karlsruher System". Das bedeutet: Jeder (s.o.), der sich gemeldet hat, kommt an die Reihe und hat 7 Minuten Zeit, das Publikum für sich und seinen Text zu gewinnen. Nach dieser Zeit vergibt dieses Publikum per Handzeichen Punkte von 1 (was soviel heisst wie: "Fremder, das ist unsere Stadt! VERPISS DICH") bis zu 7 (gleichbedeutend mit dem Status von Otto Rehagel in Athen). Man erhält anschließend für seinen Text und Vortrag die Wertung, bei der am meisten Handzeichen gegegeben wurden.

Ich kam als zweiter von insgesamt zehn Teilnehmern an die Reihe und versuchte es mit "Schuppenshampoo". Dafür bekam ich 5 Punkte. Und wenn man ein wenig nachdenkt und einmal beobachtet hat, das niemand unter 4 und keiner 7 bekommen hat, darf zurecht die Frage stellen: Markus, was war denn da los? Nun, ganz einfach: Erst einmal sind fast alle meine Texte alle länger als 7 Minuten. Und deshalb legte ich mal wieder los wie der Teufel und redete vermutlich noch schneller als Marlene - obwohl Michael mir schon zugesichert hatte, dass eine mögliche Überschreitung dieser Zeitgrenze, anders als in Bielefeld, großzügig toleriert würde. Außerdem hatte ich es seit fast vier Wochen versäumt, meine neuen Kontaktlinsen abzuholen. So fiel es mir in der etwas dunklen Atmosphäre teilweise schwer, meinen eigenen Text zu lesen. Das führte dazu, dass ich teilweise sehr unangenehm in Stocken kam oder ganze Passagen schlicht auswendig vortragen musste. Was nicht unbedingt dabei half, einen flüssigen und überzeugenden Vortrag hinzubekommen. Und so war ich am Ende mit meinen 5 Punkten zwar nicht glücklich, aber zumindest einverstanden. Wohl auch deshalb, weil ich mich immerhin noch gegen 'El Mariachi' durchsetzen konnte.

Den Gesamtsieg hat letztlich Micha-El mit nach Bielefeld genommen. Er sagt, das wäre eine ausreichende Genugtuung und Rache für meinen Gütersloher Sieg im März. Mir soll's Recht sein. Ich werde jedenfalls nach Bad Iburg zurückkehren, mit neuen Linsen und mehr Ruhe. Aber ganz bestimmt ohne Gitarre.
Script for a Jester's Tear
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