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Poetry Slam im Januar

Applaus, Applaus, Applaus ...

Nach dem Bielefelder Slam im Januar 2004 stellte sich mir nach einigen Tagen eine Frage: Passieren die großartigsten Dinge wirklich dann, wenn man am allerwenigsten damit rechnet, oder sind sie nur deshalb so großartig, weil man eben nicht mit ihnen gerechnet hat?

Jedenfalls hatte ich mir schon bei so manchem Auftritt in der Vergangenheit die eine oder andere Chance ausgemalt. An solchen Abenden, an denen die Texte nach stundenlangem Proben saßen, ich ausgeschlafen war und mir ausreichend moralische Unterstützung durch dutzend Bekannte, Freunde und Familie sicher sein konnte.
Bei diesem Slam im Januar war nun alles anders. Als Text hatte ich Småland gewählt. Was nicht ganz richtig ist. Eigentlich hatte der Text sich selbst ausgewählt, weil ich schlicht keine echte Alternative mehr hatte. Dieser Text war bislang nie unter meinen Favoriten gewesen. Dennoch beschloss ich, um nach wochenlangem Renovieren überhaupt mal wieder auf die Bühne zu kommen und Spaß daran zu haben, den Text beim Januar-Slam zu lesen. Sei es nur als Training.
Nach einer kleinen Überarbeitung, die ich einige Tage vor dem Slam noch vornahm, gefielen mir der Fluss und die Dialoge des Textes dann schon wesentlich besser. Leider blieb mir aber so endgültig keine Zeit mehr, den Vortrag an sich zu proben.
Als der Abend dann gekommen war, kurz bevor es losgehen sollte, ging ich den Text ein erstes und letztes Mal ernsthaft durch, um mir wesentliche Stellen für Dialog und Betonungen zu markieren und wartete dann darauf von Christa und Petra – mein Anhang für den Abend – abgeholt zu werden.
Und als wir dann um kurz vor 8 endlich im Bunker waren, war ich mir mittlerweile sicher, in der Vorrunde rauszuknallen, noch irgendetwas von "Tänzer" und "Februar" zu lamentieren und dann nach Hause zu gehen. Nicht wirklich frustriert, aber ein gemütliches bisschen gelangweilt, weil mir das so bekannt vorkommen würde.
Natürlich kam alles anders. Die Schar der Slammer war vollständig, wenn auch auf den letzten Drücker zusammengesucht.

Ismail versteckt sich.
Kir fing an und ihm versagte gleich mehrfach das Gedächtnis, so dass er aufgab. Andreas Fehn fragte irgendjemanden in seinem wunderschönen Gedicht "Wenn das alles nur ein Spiel ist, wer ist dann mit Würfeln dran?", Thomas ärgerte sich die ganze Zeit ganz fürchterlich über Atomkraft und Atomkrieg oder so und ich ... nun, ich kam als vierter der Vorrunde an die Reihe und schlug mich ausgezeichnet. Die Leute waren dabei und sind mitgegangen und wenn man mitten im Text vor Applaus nicht weiter lesen kann, weiß man: Die Runde, sorry boys, geht an mich! Und so kam es. So kam, was immer kam: Ich war im Finale und hatte keinen wirklichen Text dafür, weil ich ja nie damit gerechnet hatte, dorthin zu kommen. Aus der Not die Tugend machend, suchte ich mir aus meiner gut sortierten Mappe "In Echt!?" heraus und wartete ab, wem ich aus der nun beginnenden zweiten Runde entgegentreten sollte.










Uta eröffnete die Sache, gab jedoch vorab zu erkennen, keinen fertigen Text zu haben und nur mitzumachen, weil sie für lau rein wollte. Also räumte sie bald die Bühne für Volker. Ein Neuling mit einem zwar etwas aufgesetzten, aber sehr überzeugendem Vortrag. Und da war mir klar: Der ist es! Gegen den Volker wird's wohl gehen. Doch noch war die Runde nicht zu ende. Ismail war Nummer 3. Ein Freund von Volker mit holprigem, dennoch ehrlichem Auftreten. Den Text hat zwar niemand und auch er selbst nicht verstanden. Das sagte er abschliessend. Auch, dass es ihm an einem echten Final-Text mangele und er deshalb dieses nicht so gerne bestreiten würde.
Beendet wurde die Runde von Micha-El. Spontan als achter Teilnehmer angetreten, mit einem dafür mal eben frisch verfassten Text und trotzdem ordentlicher Nummer. Abstimmung.
Das Publikum war ehrlich zu sich selbst, liess sich nicht manipulieren und wählte überraschend Ismail ins Finale. Was meine Chancen erhöhte, da er ja noch schlechter vorbereitet war als ich. Aber wenigstens hatte ich einen Text. Keine schlechte Voraussetzung für eine Lesung.
Kurzerhand gaben sich Johannes und Henrik von Texteratur flexibel und gestatteten Ismail zusammen mit Volker, der wohl den Text stellte, das Finale im Duett zu bestreiten. Ich legte mit einem ordentlichen Auftritt vor, der seltsamerweise zu lang war und deshalb von Johannes abgebrochen wurde. Das gefiel dem Publikum nicht. Sie wollten den ganzen Text hören. Ich versprach ihnen, diesen zu ende zu lesen, würden sie entsprechend applaudieren. Soviel offensichtliche Manipulation muss dann doch erlaubt sein. Ismail und Volker machten ihre Sache in Betrachtung der Spontaneität, die sie dafür an den Tag legen mussten, hervorragend. Aber letztlich stand ich am Ende dort zwischen allen anderen mit meinem Glas Sekt und hatte meinen ersten Slamsieg inklusive dazu gehörigem Gutschein in der Tasche!
Das war er. Der Januar-Slam. Schlagartig war dann auch alles zu ende. Texteratur hat mich noch zu einigen anderen Lesungen und Slams eingeladen. Christa und Petra verabschiedeten sich bald. Und ich ging nach Hause. Alleine mit meinem Triumph. Zu Steffi. Aber die hat schon geschlafen. Na dann. Egal. Gute Nacht!

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