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Highlander-Slam

Na also: Es geht doch!



Die Teppichtasche

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Tigerauge

Dieser Report über den Highlander-Slam am 21. Juli im Bunker Ulmenwall beginnt mit der Geschichte eines Desasters, das sich 10 Tage vor dem Highlander ereignete: Während ich da entspannt an einem Freitagabend an meinem Text arbeite, gesellt sich Steffi zu mir ins Arbeitszimmer. Ich sage ihr: "Steffi, das ist ein grossartiger Text! Wir haben hier einen Gewinner." (Das sage ich immer, auch wenn es selten stimmt.) Selbstverständlich weckt das ihre Neugier. Also lehne ich mich zurück und lese erstmalig jemanden mein neuestes Werk "Die Teppichtasche" vor. Nach gut 10 Minuten - der Text ist noch nicht ganz zuende geschrieben - bleibt Steffi erst stumm und sagt dann, dass dies definitiv das schlechteste wäre, dass sie je von mir gehört habe. Nach eifriger Diskussion stimme ich ihr zu und wir finden gemeinsam heraus, warum der Text so ein Mist ist. Nun bin ich die nächsten Tage damit beschäftigt, ihn so umzuschreiben, dass die kritischen Punkte unkritisch werden. Aus Sorge um mein Nervenkostüm schweige ich aber nun konsequent darüber und lese den Text nur noch mir alleine vor.

Genutzt hat diese Verdrängungstaktik natürlich wenig. Denn als der 21. Juli so vor sich hinscheint und die Hitze des Tages langsam drückend wird, baut sich in mir eine schier unerträgliche Nervösität an, die um 20 Uhr 30 im Bunker ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Christina, meine Schwester, schlägt vor, ich solle es vielleicht mal mit Beta-Blockern probieren. Die chemischen Folgen jedoch fürchtend, fliehe ich mich in Hektik und sinnlosem Herumlabern mit jedem, der mir über den Weg läuft.

Warum? Weil es an diesem Abend um etwas geht: Die beiden Final-Teilnehmer des heutigen Slams werden von Texteratur als Bielefelder Teilnehmer für den "German Internation Poetry Slam 2004", sozusagen die Deutschen Meisterschaften, angemeldet. Warum ich dabei bin? Das stand in den "Highlander-Slam Vorabinfos".



Die Vorrunden

Und dann geht es endlich los: Henrik und Torsten - Johannes muss Babysitten, weil das Kind krank ist - eröffnen den 1. Bielefelder Highlander-Slam. Nach Vortrag des Sacrifice, der aus mehreren von Torsten geschriebenen Dialogen besteht, werden anders als üblich sofort beide Gruppen ausgelost. Meine Befürchtung, schon deshalb wieder zu scheitern, weil ich als erster ran muss, verflüchtigt sich schnell. Stattdessen bin ich als 2. in der 2. Runde an der Reihe. Eine viel bessere Position kann man nicht erwischen. Nur die Konstellation meiner 5er-Gruppe, die neben mir aus Anna-Bella Heinemann, Andreas Weber, Michael "Der Sauer" und Thomas Arnold besteht, macht mir Sorgen. Eine sehr starke Konstellation und ich weiss noch immer nicht, ob mein Text nicht immer noch der totale Mist ist.

Doch zuerst Gruppe 1: Den Anfang macht Manuel. Mit einigen älteren Gedichten holt er sich einen Achtungserfolg. Dann holt Britta einen Rap heraus, mit dem sie schon einmal aufgetreten ist. Er reicht dicke, damit sie als erste Teilnehmerin des Halbfinales feststeht. Überraschend erfolglos ist an diesem Abend Stefan Thomas. Seine beiden Texte können nicht punkten. Was umso erstaunlicher ist, weil Stefan die größte Sorge von Micha-El war, der als letzter am Zug ist. Sein Text "Mono" bringt ihn aber ganz sicher als Sieger seiner Gruppe ebenfalls ins Halbfinale.

Pause. Gruppe 2. Meine Nerven sind nur noch nutzloser Biomüll. Los geht's mit Anna-Bella. Leider haben aber einige Zuschauer zu spät mitbekommen, dass es weitergeht und auch die Lüftung läuft noch, so dass bei ihrem Text keine rechte Stimmung aufkommen will. Das ist schade und führt dazu, dass es nicht richtig zündet. Zünden jedoch tue dann ich. Irgendetwas ist in meinem Kopf passiert, als ich rituell aufs Mikro klopfe. Schnell erkläre ich noch, dass ich so wahnsinnig sei, es mit einem langen Text zu probieren, den ich in drei Teile aufteile. Los geht's und ich richtig ab. Ich performe. Jede Silbe sitzt wie sie muss. Und der Text? An den richtigen Stellen wird gelacht, an den anderen nicht. Hervorragend. Es fliesst und nach anstrengenden 5 Minuten setze ich mich erschöpft wieder hin. Wohl wissend, dass ich mehr nun wirklich nicht tun kann. Wenn das nicht gereicht hat, dann gehöre ich nicht nach Stuttgart. Und es kommen noch drei nach mir an die Reihe, die das zu verhindern versuchen. Potentieller Miesepeter Nr. 1 ist Michael "Der Sauer". Da er erst zum zweiten Mal im Bunker auftritt, aber als Veranstalter und Teilnehmer von Slams im Osnabrücker Raum ein alter Hase ist, kann ich ihn am wenigstens einschätzen. Ihm geht das genauso mit dem Publikum und die Wahl seines Textes beschert ihm deshalb kein großes Glück. Hindernis Nr. 2, Andreas Weber, macht's wie die Toten Hosen: Neuer Text, gleicher Inhalt. Immer noch zu schnell vorgetragen. Schade. Aber er kommt hoffentlich wieder. Meine größte Sorge gilt Thomas Arnold. Und das zurecht. Seine Erzählung über eine mißglückte Zeitreise lässt den Saal toben. Natürlich. Doch nach einem spannenden Klatschmarathon, der mich an meine Nerven erinnert steht fest: 1. ist Thomas vor mir als 2. Hurra! Halbfinale. Leider gegen Micha-El. Das ist schon fast Inzest.


Die Finals

Pause. 1. Halbfinale: Micha-El gegen Markus. Und der Sack packt seine Kindergeschichten aus. Die Meute lacht sich tot. Micha-El brennt. Es scheint sehr schnell hoffnungslos. Ich schleppe mich mit meinem Text zum Mikro, sage noch sowas beklopptes wie "Ich bin David Beckham und ihr seid der Elfmeterpunkt". Aller Angst zum Trotz schmeisse ich mich aber genau so ran wie in der Vorrunde. Nach 5 Minuten ist der 2. Teil meiner Geschichte aus. Und dann kommt der spannendste Klatsch-Entscheid, an den ich mich erinnern kann. Zuerst scheint Micha-El deutlich vorne. Dann ists ausgeglichen. Ich schaue nicht mehr hin, was beim Klatschen jedoch keinen großen Unterschied macht. Am Ende ist's wie's ist: Ich gewinne knapp. Knapper ging's nicht. Und endlich weiss ich, wie man sich nach einem Elfmeterschiessen fühlt: Man hat gewonnen, der andere verloren. Aber es war alles nur Glück. Einer musste es tun. Sorry Micha-El! Danke Steffi!

2. Halbfinale: Britta gegen Thomas. Beide bleiben hinter ihren Vorstellungen aus der Vorrunde zurück. Dennoch bleibt auch hier als Gewinner wie selbstverständlich Thomas übrig. Schade. Ein Finale gegen Britta, das wäre doch ein nettes Fest gewesen.

Pause. Finale!

Von nun an ist klar, dass ich für Stuttgart qualifiziert bin. Das macht mich locker. Deshalb habe ich im Nachhinein das Gefühl, dass der 3. Teil meiner Geschichte der am schlechtesten Vorgetragene ist. Das mag aber auch daran liegen, dass ich knapp in der Zeit liege. Deutlich zu früh hält Henrik mir das Blaulicht ins Gesicht, dass mir signalisiert, dass nur noch 30 Sekunden übrig sind. Ich verfalle in die altbekannte Hektik und nur mit Unterstützung des Publikums wird mir gestattet, das Limit um ganze 45 Sekunden zu überziehen. Ende der Geschichte.

Thomas kontert mit einer Erzählung über einen Geldautomaten, der nicht aufhören will, Geld auszuspucken. Damit die Wünsche des Publikums treffend, endet das Finale als einzige Entscheidung des Abends ohne Stechen und der Gewinner des 1. Bielefelder Highlanders steht fest: Thomas Arnold aus Paderborn! An dieser Stelle noch einmal meinen Respekt dafür. Gegen Thomas nicht zu gewinnen ist total in Ordnung.


Die Sommerpause

Und mit dem letzten Glas Sekt beginnt dann auch die Sommerpause des Bielefelder Slams. Weiter geht's am 21. Oktober im Bunker. Aber natürlich werde ich inder Zwischenzeit nicht untätig sein. Wie mehrfach angekündigt gehe ich im September zurück zu Malte ins Studio, muss mich auf den G.I.P.S. vorbereiten und so weiter. Alles darüber und was sonst noch in den vorhergehenden zwei Monaten passiert, könnt ihr im Weblog-Special "Tigerauge" nachlesen.
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