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Die Nacht ...

Die Nacht, in der ich dem Führer in die Eier trat. Oder: Wie ich Teil der Weltgeschichte wurde, und niemand das bemerkte.

Am 20. Juli war Highlander und das war mein Text - aufgeteilt in 3 Blöcke mit jeweils 8 bzw. 5 Minuten. Das hat vergangenes Jahr mit Die Teppichtasche ganz hervorragend geklappt - dies Jahr war leider schon in der 2. Runde Schluss.



Eine kleine Leseprobe:

Fredo war an diesem Abend sehr schnell verschwunden. Er hatte mich noch nach der Uhrzeit gefragt. „Kurz vor elf” antwortete ich ihm.
„Was!? Schon so spät?” Er schaute auf seine Uhr, um das zu kontrollieren, bemerkte aber, dass er gar keine hatte und wurde sehr schnell sehr nervös. Er sprang von seinem Barhocker und wühlte seine Jacke darunter hervor.
„Mist. Mist. Mist. Muss mich noch umziehen.” nuschelte er sie voll.
„Ich komme zu spät.” Er blickte mich vorwurfsvoll an. Als wäre das meine Schuld. Als ob es an mir läge. Weil ich ihn gefragt hatte, ob er mit in die Stadt käme, um in meinen Geburtstag rein zu feiern. Mit Bier und ordentlich Kickern. Er und ich und unser anderer bester Freund Karl. Als er jetzt aber bemerkte, dass ich seine Aufregung nicht verstand, weil ich nur fragend zurück sah, schüttelte er abwehrend den Kopf und bat um die Rechnung.
„Zu spät wohin?” wollte ich wissen.
„Hä? Was meinst du, wohin?”
„Na, wohin du zu spät kommst?”
„Ach so. Egal. Hier."
Er drückte mir einen Zehner in die Hand.
„Das dauert ja ewig heute. Bezahl für mich mit. Geht das? Bitte! Mist. Mist. Mist.” Dann legte er mir seine Hand auf die Backe, schaute mich, warum auch immer, verständnisvoll an und drehte sich um.
„Aber wir sind doch gerade erst gekommen! Ich wollte euch doch einladen. Verdammte Scheiße! Was soll ich denn alleine hier? Karl greift sich sowieso gleich wieder eine von den hohlen BWL-Tippsen. Wir wollten doch Kickern und saufen! Ich habe gleich Geburtstag. Was ist denn eigentlich neuerdings los mit dir?” rief ich ihm durch den dunklen Korridor nach, der aus der Kneipe nach draussen führte. Doch er reagierte nicht mehr und verschwand durch die Schwingtüren in die Nacht. Ich liess mich frustriert in das Sofa neben der Bar fallen und bestellte mir noch einen weißen Russen.
Karl kam von der Toilette zurück.
„Wo ist Fredo?” fragte er erstaunt, als er sich nebenbei die Hose zumachte. Das tat er immer erst, wenn er wieder in der Kneipe stand. Er deutete auf den leeren Barhocker, auf dem unser Freund eben noch gesessen hatte und das halb leere Glas Bier auf der Theke.
„Keine Ahnung. Er hat mich nach der Uhrzeit gefragt und ist dann aufgesprungen und mal wieder verschwunden. Sagte, er käme irgendwohin zu spät. Aber wohin, wollte er mir nicht erzählen. Von Umziehen hat er gesprochen. Hat er 'ne neue, oder was? Der ist neuerdings andauernd weg und keiner weiss wo. Das ist ja ein toller Geburtstag!”
Karl demonstrierte sein übliches Desinteresse an der Situation anderer, indem er mich unterbrach und mir aufs Knie haute. „Apropos »Neue«. Alter, guck dir die Alte dahinten an. Ist die nicht geil? Hab' sie eben angequatscht. Ist im ersten Semester. Gerade aus Gronau hier eingetrudelt.”
Er zeigte zur Toilettentür hinter der noch ziemlich leeren Tanzfläche. Dort stand eine groß gewachsene Blondine, die am Rand der Magersucht vor sich hin klapperte.
„Sucht noch Anschluss. Da dachte ich, ich könnte mich doch mal an sie anschließen. Ich glaub, ich tanze sie mal an. Heute geht was. Heute wird hier einiges gehen, mein Lieber.”
Er kniff mir in die Wange, stellte sein halb volles Martini-Glas neben das Bier von Fredo und ging.
„Trinkt den heutzutage keiner mehr aus?” fragte ich mich selbst. „Viel zu schade drum. Wenn's geliefert ist, muss es auch weg.” redete ich weiter alleine mit mir. Also erhob ich mich. Ich zog mir den Barhocker von Fredo heran und trank beide Gläser in zwei kräftigen Zügen leer.
Und dann vergingen die nächsten Stunden einfach so. Ich bestellte aus Mangel an Gesprächspartnern und dem Geschick des Flirtens eifrig weiter White Russians, Karl kam gelegentlich an die Theke, warf mir einen triumphierenden Blick zu, suchte kurz nach seinem verschwundenen Martini und verzog sich, die Hüften schwingend zurück in der mittlerweile tobenden Tanz-Gesellschaft. Nach einiger Zeit fasste er seiner „Alten” an den Arsch, sie tat es ihm nach und dann fielen sie übereinander her. Das letzte, was ich von ihm sah, bevor die beiden buchstäblich in der Menge untergingen war seine nach oben gestreckte Hand, ein Victory-Zeichen in meine Richtung gebend.
„Mit dem fange ich heute auch nichts mehr an.” entschied ich und bat um die Rechnung, die mir ordentlich die Taschen leerte.



Leider kein Download

Diesen Text biete ich nicht zum Download an, da er auf der CD sein wird, die ich zur Zeit bei Malte aufnehme. Mehr dazu in irgendeinem Newsletter.
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