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Das war der National Slam 2004

Das war der National Slam 2004





Da bin ich nun also gewesen: Vom 29. Oktober bis zum 1. November 2004 fand in Stuttgart der "German International Poetry Slam 2004" statt. Das große Aufeinandertreffen der besten Einzelslammer und Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und weil das so beeindruckend war, hier einige Eindrücke:

Wie fühlt sich das an, so ein "National"?

Der erste National. Das ist ein bisschen so wie der erste Schultag. Man kommt in die große Halle, kennt keine Sau und jeder der - so wie du - einen grünen Backstage-Ausweis umhat, der ihn oder sie als Slammer identifiziert sowieso schon seit Jahren dabei. Man ist der "Neue" und dann auch noch aus Bielefeld. Jeder kennt jeden, nur keiner mich. Und wenn man dann seine Scheu in der Neckar versenkt, merkt man sehr schnell, das es wirklich so ist, wie in der Schule: Ein Haufen arroganter Fatzken, egomaner Aufschneider und uninteressierter Mauerblümchen. Genau so wie man selbst. Also taucht man ein in die Masse und nicht unter und ist ein Teil - wenn man will. Geschenkt wird's einem nicht. Kurzum: Feels great!

Alles Stars, oder was?

Einige Namen kennt man schon vorher: Lasse Samström, Sebastian Krämer, Wehwalt Koslovsky, Tobias Borke ... Aber wer sind alle diese anderen? Diese Volkers, Susis oder Marcs? Alles Stars, oder auch Neulinge, wie man selbst? Google kennt sie immerhin. Aber der kennt mich auch. Und genau so ist es: Alle kochen mit dem gleichen Wasser. Einige zwar schön heisse Buchstabensuppe. Aber viele auch sehr ideenlose Wasserplürren. Und selbst ein Lasse Samström fängt sich im Finale nicht unbedingt immer eine 90. Fazit: Der Slam ist der Star.

Bielefeld: 1 Point!

Bewertet wurde von einer Jury aus 12 Freiwilligen mit Punkten von 0 (=Verpiss dich!) bis 10 (=Ich will ein Kind!). Die beste und schlechteste Wertung werden gestrichen und die Summe ist die Punktzahl. Da fragt man sich schnell: Was ist eine passable Punktzahl? Und findet heraus: Das liegt an der Jury. Einige haben sehr niedrig gewertet, andere grundsätzlich hoch. Und dann gab es auch noch Vorlieben für verschiedene Textgattungen. Ich jedenfalls wurde für Love Supreme mit 63 Punkten bedacht. Die anschliessenden Buh-Rufe galten aber erfreulicherweise nicht mir, sondern der netten Dame in Rot, die mir nur 1 lächerlichen Punkt gegeben hat. Wofür? Torsten nannte es "Die größte Ungerechtigkeit seit dem Irak-Krieg". Ich jedenfalls war mit dem Text glücklich und meiner Performance zufrieden. Und die 63 Punkte sind völlig in Ordnung und im Rückblick auf die gesamte Punktewertung beim National sehr passend. Demnach: Stolz!

Rheinische Frohnatur, du alte Schlampe!

Die Textvielfalt war enorm. Lyrik, Erzählungen, Rap, Spokenword, Slam-Poetry usw. In den Vorrunden machte das riesig Spass. Was diese Freude jedoch immer wieder zunichte machte, waren die Erfolge reiner Comedy-Nummern, die sogar bei Starsearch durchgefallen wären. Der klassische "Neulich bei der Klassenfahrt" und dieser ganze Mist. Das ganze wäre noch sehr erträglich gewesen, wenn sich das nicht bis in das große Finale am Sonntag gezogen hätte. In der ersten Hälfte - bestehend aus 7 Poeten - gab es nichts, gar nichts anderes als abgedroschene Comedy. Alle anderen Slammer regten sich tierisch auf, prognostizierten das Ende des Nationals und den Ausverkauf an RTL. Doch dann kam Tobias Borke an die Reihe und freestylte exakt darüber so rasend schnell und beeindruckend, das der Saal tobte. Mit seiner Punktewertung liess er alle Frohnaturen weit hinter sich (was nicht alle gut vertragen haben) und versöhnte uns andere wieder mit dem Phänomen Slam. Deshalb: Wir können wieder lachen!

You are not alone

Die anderen waren auch auf der Bühne. Die Jungs von Texteratur konnten sich in der Vorrunde mit einem Punkt Vorsprung vor dem Titelverteidiger Passau fürs Finale qualifizieren. Davon waren sie dann aber leider so überrascht, das sie da "nur" den 10 Platz belegt haben. Was bleibt, ist die Tatsache, das sie damit das 10.-beste Slam-Team der Republik sind. Applaus! Thomas Arnold konnte sein Publikum leider nicht überzeugen und musste sich mit 49 Punkten begnügen. Sehr schade. Sauer und sein Partner Sölter aus Osnabrück machten was lustiges über "Der Untergang". Als Quittung bekamen sie eine entsprechende Wertung und Schläge angedroht. So ein Blödsinn. Im Einzel konnte Sauer leider auch nichts reissen. Egge aus Hannover aber beeindruckte alle mit seinem "Manifest". Er holte damit respektable 80 Punkte. Erreichte trotzdem leider das Finale nicht. Zwei Comedy-Gurken habens ihm vermasselt. Gentlemen: Respekt!

Never forget

Dann war da noch ein chauvinistischer Taliban-Taxi-Fahrer, der uns den Zusammenhang zwischen Oberweite, Haarfarbe und Intelligenz erklären wollte und dabei fast über den Mittelstreifen geschossen wäre. Der White Russian war sehr teuer. Die Äpfel im Megastore widerlich. Und die Joggingjacken auch. Nicht alle Helges sind lustig. Stuttgart eine Reise wert. Und der erste National ein emotionaler Overkill. Danke an alle, die da waren und an die, die es mir ermöglicht haben, dort zu sein. ... Ich gehe dann mal vor Freude eine Träne runterschlucken.

Slamhauptstadt 2005

Nächstes Jahr geht's dann nach Leipzig. Irgendwann im Herbst. Sehr froh bin ich, dass Torsten, Henrik und Johannes mich eingeladen haben, sie dann im Team zu unterstützen. Das mache ich sehr gerne. Rocken wir also den Osten. Jetzt aber muss ich mich dann erst einmal noch für's Einzel qualifieren.

Script for a Jester's Tear
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